Corona-Impfung: Mythos Unfruchtbarkeit

15. September, 2021 um 9:52

Öster­reich ist tra­di­tio­nell ein Land der Impf­skep­ti­ker und -skep­ti­ke­rin­nen. Dies zeigt sich der­zeit vor allem bei der Coro­na-Imp­fung. War die Bereit­schaft, sich den schüt­zen­den Stich zu holen, anfangs noch sehr groß, ist unser Land mitt­ler­wei­le im inter­na­tio­na­len Ver­gleich abge­rutscht. Aktu­ell (Stand Mit­te Sep­tem­ber) sind bei uns mehr als 40 Pro­zent der Bevöl­ke­rung nicht gegen Covid-19 geimpft – damit lie­gen wir sogar unter dem EU-Durchschnitt.

Ein Grund dafür: Über die ver­schie­de­nen Coro­na-Impf­stof­fe und deren mög­li­che Neben­wir­kun­gen geis­tern vie­le Mel­dun­gen durch die Medi­en. Dabei fin­den sich vor allem auf Face­book und in ande­ren sozia­len Netz­wer­ken Aus­sa­gen, die trotz feh­len­der Bele­ge und dubio­ser Quel­len tau­send­fach geteilt werden.

Macht die Coro­na-Imp­fung unfruchtbar?

Beson­ders in den letz­ten Wochen hat dabei ein Gerücht die Run­de gemacht: Die Coro­na-Imp­fung macht angeb­lich unfrucht­bar. Die Fol­ge: Vie­le jun­ge Frau­en leh­nen eine Immu­ni­sie­rung zum jet­zi­gen Zeit­punkt ab, sie haben Angst davor, spä­ter kei­ne Kin­der bekom­men zu können.

Der ver­meint­li­che “wis­sen­schaft­li­che“ Hin­ter­grund dafür: Jenes Spike-Pro­te­in, das das SARS-CoV-2-Virus braucht, um an die Kör­per­zel­len anzu­do­cken, ähnelt angeb­lich einem ande­ren Pro­te­in, das für die Bil­dung der Pla­zen­ta wich­tig ist. Eine Imp­fung kön­ne somit eine Immun­re­ak­ti­on gegen die Pla­zen­ta­bil­dung aus­lö­sen, so die Annahme.

Das ist Unsinn, meint die Viro­lo­gin Moni­ka Redlber­ger-Fritz von der Med­Uni Wien. In einem TV-Inter­view sagt sie vor kur­zem: „Tat­säch­lich ist das Rhi­no­vi­rus, also das nor­ma­le Schnup­fen­vi­rus, die­sem Spike-Pro­te­in noch ähn­li­cher. Das wür­de ja bedeu­ten, dass jede Frau, die irgend­wann ein­mal einen Schnup­fen gehabt hat, unfrucht­bar wäre.“

Impf-Appell unse­rer Exper­ten und Expertinnen

Wir haben bei unse­ren Koope­ra­ti­ons­part­ne­rIn­nen nach­ge­fragt: Vie­le Gynä­ko­lo­gin­nen und Gynä­ko­lo­gen sind in ihren Ordi­na­tio­nen mit den Ängs­ten jun­ger Frau­en kon­fron­tiert und tun ihr Mög­lichs­tes, um die­se zu ent­kräf­ten. Und nicht nur das: Sie emp­feh­len Pati­en­tin­nen mit Kin­der­wunsch sogar aus­drück­lich, sich gegen Covid-19 imp­fen zu las­sen. Denn bei Schwan­ge­ren, die an Coro­na erkran­ken, zeigt sich ein deut­li­ches erhöh­tes Risi­ko für einen schwe­ren Krank­heits­ver­lauf. Zudem kön­nen die Anti­kör­per der Mut­ter auch den Fötus bzw. das Neu­ge­bo­re­ne schützen.

Eben­falls nichts spricht laut Exper­tIn­nen gegen eine Imp­fung wäh­rend der Schwan­ger­schaft. Emp­foh­len wird die­se ab dem zwei­ten Schwan­ger­schafts­drit­tel. Auch stil­len­de Müt­ter kön­nen sich ohne Beden­ken immu­ni­sie­ren lassen.

Coro­na-Imp­fung ver­hin­dert tau­sen­de Todesfälle

Eine vom öster­rei­chi­schen Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um durch­ge­führ­te Modell­rech­nung zeigt unter­des­sen: Die Coro­na-Imp­fung hat bis Ende Juli fast 2.200 Todes­fäl­le ver­hin­dert. 5.800 Per­so­nen wur­de laut die­ser Berech­nung durch die Imp­fung ein Spi­tals­auf­ent­halt erspart.

Schon bald könn­ten in Öster­reich auch Kin­der unter 12 Jah­ren die Immu­ni­sie­rung erhal­ten. Bio­n­tech-Pfi­zer will noch in die­sem Herbst die Zulas­sung sei­nes Impf­stof­fes für Kin­der ab sechs Mona­ten bean­tra­gen. Die Imp­fung könn­te dann noch in die­sem Jahr zur Ver­fü­gung stehen.

(Text: Susan­ne Plattner)

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