Burnout – wenn Körper und Seele streiken

14. April, 2021 um 12:01

Vor kur­zem hat Rudolf Anscho­ber nach 15 Mona­ten als öster­rei­chi­scher Gesund­heits­mi­nis­ter das Hand­tuch gewor­fen. Der schwie­ri­ge Kampf gegen die Coro­na-Pan­de­mie hat den Poli­ti­ker, der schon vor eini­gen Jah­ren eine Bur­nout-Erkran­kung durch­ge­macht hat­te, letzt­end­lich in die Knie gezwungen.

Anscho­ber sprach von Kreis­lauf­schwä­che, stei­gen­den Blut­druck- und Zucker­wer­ten sowie einem begin­nen­den Tin­ni­tus – dies alles aus­ge­löst durch Arbeits­über­las­tung. Er wol­le und kön­ne sei­ne Gesund­heit nicht wei­ter gefährden.

Bin ich Burnout-gefährdet?

Man muss aller­dings kein viel­be­schäf­tig­ter Regie­rungs­po­li­ti­ker inmit­ten einer glo­ba­len Kri­se sein, um an Bur­nout zu erkran­ken. Bur­nout kann grund­sätz­lich jeden tref­fen – als Risi­ko-Berufs­grup­pen gel­ten neben Per­so­nen in lei­ten­den Funk­tio­nen vor allem Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, Polizist*innen und natür­lich alle Men­schen, die im Gesund­heits- und Pfle­ge­be­reich arbei­ten. Kein Wun­der – ihre Tätig­kei­ten sind mit per­sön­li­chen und sozia­len Extrem­si­tua­tio­nen verbunden.

Ist man einer Dop­pel­be­las­tung durch Arbeit und Fami­lie aus­ge­setzt, ist der Arbeits­auf­wand zeit­lich und inhalt­lich sehr hoch und hat man eine beson­ders per­fek­tio­nis­ti­sche und leis­tungs­be­rei­te Per­sön­lich­keits­struk­tur, dann erhöht sich das Risi­ko, irgend­wann ein­mal an einem Bur­nout zu erkranken.

Wobei “erkran­ken“ nicht unbe­dingt das rich­ti­ge Wort ist. Offi­zi­ell gilt Bur­nout allein näm­lich nicht als Erkran­kung, zumin­dest nicht in der Inter­na­tio­na­len Klas­si­fi­ka­ti­on der Krank­hei­ten der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO. Dort wird das “Aus­ge­brannt­sein“ ledig­lich als Zusatz­dia­gno­se angeführt.

Wie sich ein Bur­nout bemerk­bar macht

Den­noch soll­te man Anzei­chen, die auf ein mög­li­ches Bur­nout hin­deu­ten, unbe­dingt ernst nehmen.

In den meis­ten Fäl­len las­sen sich dabei meh­re­re Pha­sen beob­ach­ten: Zu Beginn ist bei Betrof­fe­nen vor allem das Gefühl, nicht mehr abschal­ten zu kön­nen, cha­rak­te­ris­tisch. Eige­ne Bedürf­nis­se wer­den kaum mehr wahr­ge­nom­men, sozia­le Kon­tak­te ein­ge­schränkt. Man hat den Ein­druck, für nichts mehr Zeit zu haben.

Gleich­zei­tig äußern sich kör­per­li­che Sym­pto­me, die von Rast­lo­sig­keit, Müdig­keit und Schlaf­pro­ble­men über Kopf­schmer­zen, Übel­keit und Schwin­del bis hin zu erhöh­ter Anfäl­lig­keit für Infek­tio­nen, Ver­dau­ungs­stö­run­gen und Kreis­lauf­schwä­che rei­chen können.

In wei­te­rer Fol­ge sinkt der Leis­tungs­pe­gel. Waren die Betrof­fe­nen frü­her ganz beson­ders enga­giert und moti­viert, so zei­gen sie jetzt kaum mehr Inter­es­se an der Arbeit. Sie zie­hen sich aus dem Kol­le­gen­kreis zurück, machen Feh­ler und kön­nen kei­ne Kri­tik annehmen.

Letzt­end­lich kann ein voll aus­ge­bil­de­tes Bur­nout in schwe­re Depres­sio­nen, extrem aggres­si­ves Ver­hal­ten, mas­si­ven Alko­hol- oder Dro­gen­miss­brauch und schließ­lich Sui­zid­ge­fahr münden.

Wie Bur­nout behan­delt wer­den kann

Grund­sätz­lich gilt: Je frü­her mit einer The­ra­pie begon­nen wird, des­to schnel­ler lässt sich die indi­vi­du­el­le Lebens­si­tua­ti­on wie­der verbessern.

Dabei kom­men meh­re­re Ansät­ze zur Anwen­dung. So wer­den einer­seits psy­cho­the­ra­peu­ti­sche oder ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­sche Behand­lun­gen emp­foh­len, im Zuge derer die Patient*innen ler­nen, die eige­nen Bedürf­nis­se wie­der wahr­zu­neh­men und ihr per­sön­li­ches Stress- und Zeit­ma­nage­ment zu optimieren.

Sport und Bewe­gung tra­gen eben­falls zu einer schnel­le­ren Erho­lung bei. Sie ver­bes­sern die Wahr­neh­mung des eige­nen Kör­pers, heben das Selbst­be­wusst­sein und hel­fen dabei, Span­nun­gen abzubauen.

Die drit­te Säu­le ist die medi­ka­men­tö­se The­ra­pie: Je nach Grad der Erkran­kung kom­men ent­we­der pflanz­li­che stim­mungs­auf­hel­len­de bzw. beru­hi­gen­de Mit­tel zum Ein­satz oder müs­sen Anti-Depres­si­va ver­schrie­ben wer­den. In schwe­ren Fäl­len ist auch ein län­ge­rer sta­tio­nä­rer Auf­ent­halt unumgänglich.

(Text: Susan­ne Plattner)

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